Ratgeber
GPU mieten in Deutschland - Was eine H100-Stunde wirklich kostet (Oktober 2026)
GPU mieten in Deutschland: Was eine H100-Stunde wirklich kostet
Letzte Woche hat mich ein Bekannter aus Stuttgart angerufen: „Ich will ein 7B-Modell finetunen, H100, ein paar Tage. Was kostet mich das?" Ich habe ihm die Antwort gegeben, die du hier bekommst — nur hatte er das Vergnügen, die drei Fallstricke selbst zu entdecken. Die nehme ich dir hier ab.
Die Rohpreise: erst Dollar, dann Euro
Die großen Mietmarktplätze rechnen in US-Dollar, das ist der erste Stolperstein für deutsche Nutzer. Der Stand von gestern Abend (On-Demand, pro GPU-Stunde):
- A100 PCIe — $0,27 (ca. 0,25 €)
- A100 SXM — $1,04 (ca. 0,95 €)
- H100 SXM — $2,87 (ca. 2,65 €)
- H200 — $6,62 (ca. 6,10 €)
Gerechnet mit grob 0,92 € pro Dollar. Der Kurs wackelt, die Größenordnung stimmt trotzdem. Und nebenbei die Stelle, an der die meisten Vergleiche kippen: Dieselbe A100 gibt es als PCIe-Variante für ein Viertel des SXM-Preises. Wenn dein Training nicht an der Speicherbandbreite hängt, ist die billige Karte vielleicht die bessere — das prüfst du vor der Buchung, nicht danach.
Die drei Aufschläge, die in keiner Vergleichstabelle stehen
Erstens die Mehrwertsteuer. Als Unternehmer — selbstständig reicht — läuft das üblicherweise über das Reverse-Charge-Verfahren: Du gibst deine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer an, der US-Anbieter stellt netto, du erklärst den Vorgang selbst in deiner Umsatzsteuervoranmeldung. Spart dir die 19 %, kostet dich aber eine Zeile mehr Buchhaltung. Frag im Zweifel deinen Steuerberater; Privatleute ohne USt-ID zahlen über den Zahlungsweg effektiv drauf.
Zweitens die Kreditkarte. Fremdwährungsgebühr, je nach Karte grob 1 bis 2 %, obendrauf. Klingt nach Kleinkram, bei einer längeren Trainingswoche sind das aber ein paar gut gebrauchte Euro fürs Teamkaffee.
Drittens die DSGVO. Und das ist der Punkt, den ich meinem Bekannten hätte früher sagen sollen: Auf einem Marktplatz mietest du bei irgendjemandem, nicht bei einem Unternehmen mit deutschem Auftragsverarbeitungsvertrag. Für ein Hobby-Finetuning mit öffentlichen Datensätzen: egal. Sobald Kundendaten ins Spiel kommen, wird es eine Rechtsabteilung-Frage, und die Antwort ist selten „mach einfach".
Warum es in Deutschland so wenige H100 gibt
Die kurze Version: Strompreis. Deutsche Rechenzentren zahlen für den Kilowattstundenpreis ein Vielfaches dessen, was ein Anbieter in Texas oder Nevada an der Steckdose sieht, und eine H100 zieht im Betrieb ordentlich Leistung. Dazu kommt Grundfläche, Kühlung und Personal in Frankfurt oder München — das macht sich im Stundensatz bemerkbar. Ich habe nicht alle deutschen Anbieter systematisch durchgeklickt, das wäre eine eigene Recherche wert. Die Richtung aber stimmt: Wer in Deutschland bucht, zahlt für die Nähe, oder er geht auf einen internationalen Marktplatz und zahlt in Dollar.
Für Latenz-kritische Sachen bleibt Frankfurt ohnehin die erste Adresse — DE-CIX sitzt dort, die Anbindung ist top. Aber ein Trainingslauf kümmert sich nicht darum, ob deine Pakete durch Frankfurt oder Amsterdam laufen. Da zählt nur der Endpreis.
Die Rechnung für den Stuttgarter Fall
48 Stunden H100 SXM, On-Demand: rund 2,65 € × 48 ≈ 127 €. Über die Spot-Preise lässt sich das oft halbieren — wenn man checkpoints schreibt, als gäbe es kein Morgen, denn unterbrochen wird man. Mein Tipp aus eigener Schmerzfreude: erst zwei Stunden Spot testen und messen, wie weit der Job kommt, dann entscheiden.
Was mich an Marktplätzen nervt (damit du es nicht selbst lernen musst)
Kein deutscher Support, alles auf Englisch. Keine klassische Rechnung im Format, das dein Steuerberater ohne Rückfragen durchwinkt — du exportierst dir die Abrechnung selbst und erklärst sie. Und die Qualität der gebuchten Maschinen schwankt; lies die Bewertungen des Hosters, bevor du eine lange Session startest. Das ist der Preis für den günstigen Satz, und er ist mir meistens wert — aber ich will ihn wenigstens vorher gekannt haben.
Transparenz: In diesem Beitrag steckt ein Affiliate-Link zu Vast.ai. Buchst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision — dein Preis ändert sich dadurch nicht, und gerechnet habe ich mit denselben öffentlich abrufbaren Preisen wie ohne Link.
Die Preise hier sind von gestern Abend. Sie ändern sich täglich, manchmal stündlich. Bevor du buchst, wirf einen Blick auf die aktuelle Preisliste — und wenn du andere Zahlen siehst: Woran liegt's? Vermutlich am Kurs oder an der Nachfrage. Beides ist normal.